Baumschnitt muss sein!
Warum werden die Bäume hier eigentlich so stark zurückgeschnitten?
Die Obstbäume sind keine wilden Gewächse, die von der Natur wie eine Eiche für 300 Jahre und mehr erschaffen wurden. Es sind Züchtungen, die auf eine sogenannte Unterlage veredelt werden.
Läßt man sie einfach wachsen, ist nach 50 Jahren Schluß. Das Holz wird brüchig, der Baum fault von innen heraus durch. Ein starker Behang, ein starker Wind kann für komplette Äste das Aus bedeuten.
Also muss man ihn immer wieder zu neuem Holz reizen. Und das geht nur mit einem Rückschnitt. Die großen Bäume hier sind vermutlich über 80 Jahre alt und treiben Holz wie die 20jährigen.
Rindenruß
Was ist das für ein schwarzer Belag auf den Bäumen und warum haben so viele junge Bäume solche Stammschäden?
An den Bäumen hat der Rindenruß Überhand genommen. Ein Pilz der lange auf den Bäumen schlummert und bei großem Stress für die Bäume zuschlägt. Und Stress haben die durch starke Hitze und Trockenheit seit 2018 mehr als gut ist. Der Pilz zerstört die Rinde. Diese stirbt ab, löst sich und blättert dann regelrecht ab.
Hilfe dagegen gibt es angeblich keine. Surft man im Internet, findet man von offiziellen Stellen: Düngen, Wässern und ja keine mechanische Wundbehandlung, um den Pilz nicht zu verteilen. Düngen lehne ich ab, Wässern mache ich bei jüngeren Bäumen, die noch keine so tiefen Wurzel haben, sowieso.
Und jetzt zur Wundbehandlung …
Das erstmal ist das Problem im Frühjahr 2020 eskaliert. Im Januar hatte ich noch die Stammwunden behandelt, die bezüglich Anzahl und Größe sehr überschaulich waren. Im Mai waren mir dann über dem Verbißschutz massive Rindenschäden aufgefallen immer in Kombination mit dem schwarzen Belag. Also was machen? In 4 Monaten komplett aus dem Ruder gelaufen und dann monatelang warten, bis und ob überhaupt Wässern und Düngen hilft? Also zusehen, wie die Bäume sterben? Nein!
Daher die Wunden doch großflächig mit der Kettensäge ausgeschnitzt, bis auch der dunkle Belag zwischen Rinde und Stammholz weg ist. Dann ordentlich mit Spiritus eingesprüht, um eine Desinfektion zu erreichen und dann mit Lac Balsam die Wunden verschmiert, um sie vor weiterem Befall zu schützen.
Ein Jahr später sieht das ganz gut aus. Keine weiteren Bäume verloren, nur wenige Wunden haben sich vergrößert. Das aber nur leicht. Und sehr viele Wunden beginnen bereits zu heilen, d.h. zuzuwachsen. Also sprühe ich dieses Jahr die geschützten Wunden wieder ein, wenn sich wieder schwarzer Belag gebildet hat und überschmiere. Weiterhin wird auch die noch gesunde Rinde, die einen schwarzen Belag hat, eingesprüht.
Wie war das bei den Bremer Stadtmusikanten? Etwas besseres als den Tod finden wir überall.