Siebenschläfer- und Ausgleichsflächen

bilden in Langen den mit Abstand größten Anteil an Streuobstwiesen. Ein großer Teil des Albanusbergs ist Siebenschläfergebiet, also Privatbesitz, dessen Pflege (und damit auch Ernterecht) in die Hände der Stadt Langen gegeben wurde. Hier im Norden sind die meisten Grundstücke östlich dieses Grundstücks auch Siebenschläfergebiet. Westlich von hier, sind bis auf wenige Ausnahmen alle nicht verwilderten Obstwiesen Ausgleichsflächen. Diese wurden von Fraport, vom Bund und nun auch von Bonava angekauft, angelegt und dann an die Stadt Langen übertragen, mit einem entsprechenden Nutzungsvermerk im Grundbuch. Die Stadt Langen bekam damit hunderte von Obstbäumen geschenkt und muss diese vertraglich festgelegt „nur“ pflegen.


Doch auch die Pflege ist quasi für die Stadt Langen umsonst, denn die eigentlichen Pflegekosten werden durch Zuschüsse finanziert. Die Stadt bekommt das Geld vom Kreis und der bekommt das Geld vom Land und das bekommt das Geld von irgendwelchen Quellen, die sich ihr Gewissen laut Gesetz rein kaufen müssen. Schaut man sich den Haushalt der Stadt Langen an und was in Realität auf den Obstwiesen abgeht, wundert man sich. Ergebnis im Haushalt 2019 waren 23.600€, Ansatz für 2020 67.800€ und 2021 23.600€ Zuschuß. Die Pflege der Obstwiesen erfolgt westlich von hier durch die KBL, östlich von hier durch einen Egelsbacher Landwirt, außer bei Sondermaßnahmen. Dafür wurden 2019 26.525€ aufgewendet, 2020 gilt ein Ansatz von 45.000€ und für 2021 45.0000€. Dass sich dennoch ein Minus von 13.900€ in 2019 und 28.600€ in 2021 ergibt, liegt an den Personalaufwendungen, die ich hier besser nicht erläutere. 2020 wurde sogar dank der Zuschüsse ein Überschuß von 12.400€ erzielt. Die Stadt Langen erhält also garnicht die Obstwiesen, sondern reicht nur Zuschüsse weiter und hat auch keine Obstwiesen geschaffen. Und macht sogar manchmal noch Gewinn aus den Zuschüssen.


Der hohe Zuschuß für 2020 ist durch die Baumschnittmassnahmen im Winter 2019/2020 zu erklären. Wir dürfen gespannt sein, wieviel Flächen dieses Jahr entgegen der vertraglichen Verpflichtung nicht gemulcht werden. Fällt aber nicht auf, weil auch in den Jahren zuvor wurden nicht alle Flächen gemulcht. Und die Bäume werden nur sporadisch geschnitten und dann schnellen die Kosten halt hoch. Einen Großteil dieses extremen Betrags in 2020 konnte man erst oben an der B3 sehen, als man mit schwerstem Gerät gewaltige Mengen Bruchholz der letzten Jahre herausholen mußte und schredderte. Und dann interessanterweise der Berg, mit öffentlichen Mitteln erschaffen, auf ein Privatgrundstück eines Landschaftspflegers wanderte.


Um ein Gefühl für die Kosten zu bekommen: Mir wurde erzählt, für einmal 2000qm mit Obstbäumen zu mulchen nehmen die Landwirte 80€. Bar auf die Hand, klar. Wären 400€/ha. Nun das Ganze legal und mit einem städtischen Schröpfungszuschlag sind das vielleicht 800€/ha. Die Summe von 2019 würde also für rund 32ha ausreichen. Der komplette Albanusberg hat aber nur 40ha und davon sind nicht einmal die Hälfte Siebenschläfergebiet. Und die Ausgleichsflächen kommen zusammen vielleicht auf 5ha. Dazu kommen noch rund 10ha Naturschutzgebiet Kammereck. Ab 2020 kommt noch das NSG Belzborn hinzu, rund 40ha. Dafür gehen die Ausgaben aber auch um 19.000€ hoch, die Zuschüsse aber nur 12.000€.